Sanierung kaskadentreppe

Projekt_Sanierung historische Treppenanlage

Auftraggeber_Stadt Erlach

Schutzstatus_Baugruppe A, ISOS A

Leistung_Analyse, Massnahmenplan, Umsetzung

Zeitrahmen_2023-2025

 

Steinmetzarbeiten_Burla AG Murten

Fotos_A. Jaquemet


Die Kaskadentreppe entlang der steilen Gasse in der Altstadt ist ein einzigartiger Erschliessungskörper, welcher den Gassenraum und die südliche Häuserzeile prägt. Über Jahrhunderte wurde die Gestalt beibehalten und ist in seiner formalen Ausprägung unverändert. In den 1950er Jahren wurde die Treppe mit einem Betonteppich überzogen und das Bauwerk dadurch bauphysikalisch und gestalterisch abgewertet. Mit der Sanierung 2025 konnte man der unteren Altstadt die ursprünglichen Qualitäten wieder zurückgeben und das historische Gesamtbild klären. 

Auszug zur oberen Altstadt von Erlach aus dem ISOS  (Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz):

Mit ihren beidseitigen Häuserreihen und dem gepflästerten Gassenbelag bietet die Oberstadt «eines der einprägsamsten spätgotischen Kleinstadtbilder der westlichen Schweiz» (A. Moser).

Die südliche Häuserzeile wird im untern Teil von einem durchgehenden Treppenlauf, im obern von einem Laubengang, der sich gegen die Gasse in prächtigen Rundbögen öffnet, erschlossen. Dank seiner frühen Marginalisierung, seiner Verkehrsfreiheit und dem Fehlen kommerzieller Einrichtungen hat dieser älteste Stadtteil ein für gesamtschweizerische Verhältnisse ursprüngliches, fast museales Erscheinungsbild bewahrt.


Zustand vor der Sanierung

Die Schadenbilder zeigen die Problematik der Materialkombinationen auf. Zement ist ein Material von hoher Dichtigkeit und lässt aufsteigende Feuchtigkeit nicht ausdiffundieren. Der Zement liegt wie ein dichter Teppich über der Natursteintreppe. Die Feuchtigkeit muss sich andere Wege suchen zum Austrocknen. Dies erfolgt über die Seitenwände. Zum Einen über die Gebäudefassaden, zum Anderen über die Treppenmauer zur Gasse hin.

Die Natursteine und der Zement reagieren unterschiedlich auf Temperaturveränderungen. Temperatur und Feuchtigkeit führen zu Rissen und Abplatzungen. Auch die eingemörtelten Winkelstahlprofile führen durch unterschiedliches Verhalten von Zement und Naturstein zu Rissbildungen und Abplatzungen. Zudem erzeugt die Korrosion unschöne Fleckenbilder auf den Treppenstirnen.


In der Recherche konnten wichtige Zeitdokumente gefunden werden, welche die ursprünglichen Qualitäten der Natursteintreppe aufzeigten und wichtige Rückschlüsse für die Sanierung lieferten. Die beiden Bilder zeigen den gleichen Ausschnitt der Kaskadentreppe im Abstand von 50 Jahren. 1856 gemalt von Jules Guillarmod und 1906 fotografiert von seinem Sohn Jules Jacot Guillarmod. 

ZIEL: WIEDERHERSTELLUNG DES URSPRÜNGLICHEN ZUSTANDES


Sanierungskonzept

Flickarbeiten an der Kaskadentreppe werden stets nur Symptombekämpfung sein. Die Treppenanlage ist in ihrer grundsätzlichen Funktion gestört. Das "Atmen" der Treppe wird durch den Zement unterbunden und führt zu einem Druck auf die Bauteile. Aus diesem Grund wird eine Wiederherstellung der ursprünglichen Kaskadentreppe verfolgt. Gestalterisch wird die Herausforderung sein, die neuen Natursteine mit den alten in Einklang zu bringen.

Die Wiederherstellung der Kaskadentreppe unter Verwendung der historisch korrekten Materialien und Bautechnik ist eine Investition in die Zukunft mit Referenz auf die Vergangenheit. Die vorhandenen Randsteine konnten mehrheitlich wiederverwendet werden. Es musste nur soweit zurückgebaut werden, bis wieder ein solides Grundmauerwerk verwendet werden konnte. Durch die neue „atmungsaktive“ Kaskadentreppen wird der Druck von den Sockelbereichen der Gebäudefassaden genommen. Die gepflästerten Podeste lassen Oberflächenwasser versickern. 


Eindrücke aus der Bauzeit April 2025 bis August 2025